Neue Serie – Der FV Germania im Nationalsozialismus

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Wie viele andere Vereine stand auch der FV Germania in der Zeit von 1933 bis 1945 vor dem Problem einer klammen Vereinskasse. Hinzu kamen nun jedoch noch weitere Zwänge, welche von den Nationalsozialisten nach der Machtübernahme den Vereinen und Organisationen auferlegt wurden. Auch innerhalb der Kultur- und Sportpolitik wurde die systemische Gleichschaltung vorangetrieben. So wurden auch die Germanen zwangsweise Mitglied beim Deutschen Reichsbund für Leibesübungen. Der zu entrichtende Mitgliedsbeitrag belastete die geringe Einnahmenseite noch mehr.

Auch die Vereinsstrukturen wurden in dieser Zeit stark verändert und demokratische Gepflogenheiten, die nach der Gründung des Vereins von wichtiger Bedeutung waren, wurden abgebaut. Getreu dem „Führerprinzip“ mussten die Vereinsmitglieder nur noch den „Vereinsführer“ wählen. Dieser hatte dann das Recht die restlichen Verwaltungsmitglieder selbst zu bestimmen. Hinzu kam die Pflichtbesetzung eines so genannten „Dietwarts“, welcher die Aufgabe hatte insbesondere die „völkische Zuverlässigkeit“ und die „Pflege deutscher Volkstumswerte im Sport” zu überwachen. Einige der Würmersheimer Funktionäre wehrten sich dagegen, wurden Mitglied in der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), versuchten Widerstand zu leisten und wurden schnell in „Schutzhaft“ genommen (mehr darüber findet man in unserer Vereinschronik).

Die schlechte Wirtschafts- und Versorgungslage, aber auch durch den Nationalsozialismus aufgekommene zwischenmenschlichen Probleme (die Weltanschauungen dürften höchst different gewesen sein), stoppten das Vereinsleben ab dem Sommer 1933 vollständig. Der Spielbetrieb lag auf Eis und auch andere Aktivitäten konnten in den Protokollbüchern für die nächsten vier Jahre nicht gefunden werden – eine vom Bezirksamt Rastatt angefertigte Liste aus dem Jahr 1934 weist keinen Fußballverein in der Gemeinde Würmersheim auf.

Immerhin: Zur Saison 1936/37 konnte der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Doch dauerte die erneute sportliche Phase nur wenige Jahre an. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurden auch die Würmersheimer Männer zur Wehrmacht eingezogen, so dass ab 1940 der Ball erneut ruhte und nur einzelne Jugendspiele stattfanden.

Auch der FV Germania hatte wie viele andere Vereine in dieser Zeit Kriegstote zu beklagen, andere kehrten 1945 verwundet von den Schlachtfeldern zurück oder kamen erst Jahre später aus der Kriegsgefangenschafft nach Hause. Die Nationalsozialisten hatten verloren, der Krieg war zu Ende und Hoffnung kam auf, dem Lieblingssport nach Jahren der Tyrannei wieder nachgehen zu können.

(Infos aus der Vereinschronik anlässlich des 100-jährigen Vereinsjubiläums)

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