Neue Serie – Finanzielle Notlage der 20er Jahre

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Die so genannten „Goldenen 20er“ waren für den FV Germania, wie auch für viele andere Vereine alles andere als „golden“.  Stattdessen waren vor allem die Jahre kurz nach der Vereinsgründung äußerst schwierig und das Fortbestehen des Vereins stand bereits früh auf wackeligen Füßen.

Die finanziellen Existenznöte der BürgerInnen machte auch den Vereinen schwer zu schaffen, da die wenigen Vereinsmitglieder schlicht nicht in der Lage waren die notwendigen Mitgliedsbeiträge zu entrichten. Hinzu kam, dass die Mitgliederzahl Mitte der 1920er Jahre auf unter 40 sank. Besonders hart traf den Verein, dass man das alljährliche Sportfest im Jahr 1926 nicht austragen konnte, da die finanziellen Mittel für die Vorleistung nicht vorhanden waren. Immerhin wurde improvisiert und die Mitglieder zu einer Theateraufführung im „Gasthaus zur Sonne“ geladen. Die Einnahmen entsprachen jedoch nur einem Bruchteil des bei Sportfesten erwirtschafteten Gewinns.

Auch in den folgenden Jahren wurde es zunächst nicht besser. Eine fortschrittliche Vereinsarbeit war zu dieser Zeit nicht möglich. Die privaten Notlagen und die hohe Arbeitslosigkeit sorgten dafür, dass das Vereinsleben praktisch stillstand. Immerhin konnte man in diesen Jahren auf die Unterstützung der Gemeinde Würmersheim bauen, mit der man ein paar Jahre zuvor noch im Clinche lag. Die Gemeindeverwaltung gewährte mehrere Pachtermäßigungen, ohne die der Fortbetrieb nicht möglich gewesen wäre.

Noch schlimmer wurde im Jahr 1929. Die Weltwirtschaftskrise machte auch keinen Halt vor Deutschland. Nur mit größten Mühen konnte der Fußballbetrieb aufrechterhalten werden.

Die Politik und der Süddeutsche Fußballverband versuchten die Kommunen und notleidenden Einwohner mit sogenannten „Winternothilfespielen“ zu unterstützen. Auch der FV Germania beteiligte sich daran. Zusammen mit den VfR Au am Rhein (heute SV) bildete man eine Mannschaft, die in zwei Spielen gegen FC Phönix Durmersheim antrat. Während man das erste Spiel deutlich mit 6:0 verlor, konnte man zumindest im zweiten Spiel mithalten und erzielte das knappe Ergebnis von 2:3.

Die Spieler des FV Germania hielten zusammen und brachten in den folgenden Jahren oftmals die Spesen für die Schiedsrichter aus eigenem Geldbeutel auf. Für arbeitslose Mitspieler wurden die Fahrtkosten übernommen, so dass diese sich ein Fahrrad leihen konnten –  die Auswärtsspiele wurden in aller Regel nämlich nur mit dem Drahtesel erreicht.

Allen Anstrengungen zum Trotz musste der Fußballbetrieb des FV Germania im Jahr 1933 mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten für vier Jahre eingestellt werden. Doch dazu kommen wir in der kommenden Woche.

(Infos aus der Vereinschronik anlässlich des 100-jährigen Vereinsjubiläums)

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